DAS WETTER DES LEBENS
All deine Differenziertheit ist für nichts und wieder nichts. Sei auf Einfachheit aus, nicht auf Verfeinerung. Einfachheit ist - in Stromlinie gebracht. Differenziertheit ist ein Manövrieren. Oder lasst es uns so sagen: Wahrliche Ausgereiftheit ist Einfachheit. Wahrliche Ausgereiftheit schaut nicht auf sich selbst. Sie etikettiert sich nicht. Sie dekoriert sich nicht.
Einfachheit ist die kürzeste Distanz zwischen zwei Punkten. Sie ist nicht clever. Sie ist nicht schick. Sie ist schlichte schnörkellose Einfachheit. Sie ist unkompliziert.
Differenziertheit ist auf die Art und Weise der Welt weise sein. Verfeinertheit ist ein schnittiger Haarschnitt und ein Smoking oder Abendkleid. Sie erheischt Aufmerksamkeit. Einfachheit schlüpft unbemerkt durch. Und doch ist es Einfachheit, der Freude entkommt. Klugheit tut das nicht so recht. Klugheit ist Fingernagellack. Cleverness posiert und nimmt ihr eigenes Bild auf. Differenziertheit spielt mit sich selbst Streiche.
Das Leben leben ist das Leben leben. Es ist dem Augenblick gegenüber wach sein und nicht dem Konsens über ihn. Das Leben leben ist nicht Gedanken übers Leben leben. Es ist nicht Einstudierung. Leben leben ist eine simple Begrüßung.
Wir kommen wieder einmal auf die Unschuld zurück. Sie ähnelt einem ungekünstelten Schlittschuhläufer, der dahingleitet und eine Menge Freude hat. Verfeinertheit andererseits hat Spielzüge im Sinn und bringt sie elegant, vielleicht ein wenig stilisiert, zur Ausführung.
Unschuld ist spontan, während Differenziertheit vorgefertigt ist. Unschuld ist wahrhaft dein Bestes geben.
Das Leben ist nicht langsam, sondern stetig. Das Leben ist kein abgemessener Schritt. Es mag rasch sein. Es kann so aufregend sein, dass es dich vor lauter Freude zum Umhertanzen bringt. Es kann eine schnelle Drehung oder ein Wirbelwind sein, oder ein nachmittägliches Nickerchen. Kann das Leben nicht sein, was es ist, und du ziehst eben mal für die Mitfahrt mit? Das Leben ist nicht da, damit du es antreibst oder abbremst. Kannst du nicht sein, wie du bist?
Das Leben ist keine geplante Tätigkeit. Es ist, was es ist, während es ist. Es hat nicht so, oder so zu sein. Es hat zu sein, was es ist. Ist es besser mit langen Zeiträumen oder kurzen? Ist die Schnellstraße besser als die Landstraße? Kann das Leben nicht, so wie das Wetter, bewillkommnet werden, wie es ist? Du bist weder der Jasager oder Neinsager des Wetters, noch des Lebens. Es liegt dir nicht an zu sagen: „Regen, Regen, scher dich weg und komme an einem anderen Tag wieder.“
Das Leben soll jetzt begrüßt werden, nicht später. Du kannst dich auf das Leben freuen, und doch, es ist nicht möglich, es dir im Voraus so richtig zueigen zu machen. Das Leben kann nur in seiner eigenen Zeit umschlossen werden.
Falls das Wetter nach deinem Geschmack zu kalt ist, zieh dir einen Pullover an. Und wenn es zu heiß ist, zieh ihn aus. Und wenn es immer noch zu heiß ist, dann sei erhitzt, bis es aus eigenem Antrieb abkühlt. Lasse das Leben seinen Tag haben.
Das Leben dreht sich um mehr, als was deine Kreatur labt. Es handelt von um Vieles mehr als von dir und deinen Vorlieben. Wenn dir das Leben nicht gefällt, ändere deine Interpretation von ihm.
Und falls es keinen Schnee gibt und du nicht Ski fahren kannst, dann befasse dich mit einem anderen Sport.
Bei Gelegenheit habe Ich dich sagen hören, dieser Tag sei ruiniert. Deiner Erwartung wurde nicht entsprochen. Dann begegne deinem Tag auf halbem Wege. Kicke nicht die Steine auf deinem Weg. Einerlei welchen Pfad du nimmst, welcher Schutt sich in deinem Weg befindet, einerlei was für Tücken sich einstellen, gehe fröhlich deines Wegs. Dies ist Leben, von dem Wir reden. Dies ist dein Leben. Was sich auch als seine Wenden und Kehren ausweist, es obliegt dir, daraus das Meiste zu machen. Es steht dir nicht an, dich darüber zu beklagen. Wäre dir das Leben lieb, wie es sich fortwährend über dich beklagt?
Sofern dein Anzug des Lebens nicht immer gebügelt ist, wieso, dann freue dich an den Falten. Du kannst einen Boxerhund genauso unbeschwert gernhaben wie einen Pudel. Es ist nicht die Oberfläche des Lebens, die es zum Geeigneten macht.