WANN TRÄNEN KOMMEN MÖGEN
Ihr habt Auswirkungen auf das Wetter, und das Wetter auf euch. Regen ist gut und Sonne ist gut. Hitze ist gut und Kälte ist gut. Vielleicht gebt ihr dem einen oder anderen den Vorzug, dennoch wisst ihr es besser, als dass ihr allzu sehr gegen das Wetter wettert. Ihr lebt mit ihm. Ihr nehmt es als eine Gegebenheit.
Sobald freilich eure Stimmung ebenso wechselhaft ist wie das Wetter, habt ihr eine Sorge. Sobald ihr traurig seid und weint, nehmt ihr die Tränen her und seht sie mit großen Konsequenzen versehen. Geliebte, sie sind bloß Tränen.
Und sobald ihr über alle Maßen glücklich seid, wundert ihr euch ebenso, was mit euch los ist, dass ihr in einer Welt, die ihr mit Problemen befrachtet seht, derart glücklich seid.
Ich sage euch, euch zu freuen. Freut euch sogar an den Tränen. Wer sagt denn, dass ihr falsch liegt, sie zu haben? Wer kann sagen, das Wetter sei nicht richtig, gleich, ob es sich nun um Regen oder um Sonne handelt?
Siehst du, wie du zu viel denkst? Du wiegst allzu viele Dinge ab. Womöglich wiegst du alles. Wiegen ist beurteilen. Wiegen hält dich an keiner guten Stelle. Lasse dich selbst sein. Was kommt, kommt. Was nicht kommt, kommt nicht. Was ist im Eigentlichen der gewichtige Unterschied, ausgenommen der, wie du es ansagst? Ihr nehmt wahr, Geliebte. Ihr nehmt wahr.
Was wäre, falls es in Ordnung wäre, zu weinen? Sobald ihr euch traurig fühlt und Tränen kommen, müsst ihr dann gegen die Traurigkeit und die Tränen wettern? Vielleicht sind Tränen wie ein Frühlingsregen. Vielleicht sind sie für diesen Augenblick notwendig. Womöglich sind sie etwas Gutes. Falls ihr nicht sagen könnt, dass sie gut sind, sagt euch selbst gegenüber zum Wenigsten nicht, dass sie etwas Falsches darstellten.
Ich empfehle euch nicht, zu weinen, das versteht ihr. Ich empfehle euch, dass ihr lieber lacht als weint. Und dennoch, sobald Tränen kommen, empfehle Ich euch, dass ihr sie willkommen heißt. Ich empfehle euch, was immer kommt willkommen zu heißen. Auf diese Weise macht ihr mit dem, was kommt, nicht viel Umstände.
Wenn ihr Tränen wegschiebt, behaltet ihr sie. Heißt Tränen willkommen, und sie werden bald ihren Weg nehmen. Sorge, Traurigkeit, Gram währen nicht die ganze Zeit, lasst ihnen also ihr gerüttelt Maß, und lasst sie sodann auf ihrem fröhlichen Weg weiterziehen. Sie bedeuten euch keinen Schaden.
Sie sind wie Geschäfte auf einer Straße. Ihr geht in einen hinein, und er gefällt euch sehr. Ihr geht in einen anderen Laden, und ihr mögt ihn nicht. Und demnach geht ihr aus ihm wieder heraus. Beide Geschäfte sind euch unparteiisch. Der Laden ist der Laden, der er ist. Und so steht es ebenfalls mit euren Emotionen. Ihr geht von der einen zur anderen. Also, nehmt sodann einfach euren Weg, ohne eine große Sache aus ihnen zu machen.
Einerlei, wie traurig oder weinerlich ihr heute sein mögt, hängt euch nicht an die Tränen, und scheucht sie genauso wenig fort. Lasst sie ihren Tag haben. Tränen werden aus freien Stücken wieder fortgehen. Lasst sie einfach los, sobald sie so weit sind, zu gehen. Haltet sie weder fest, noch schubst sie beiseite.
Wir könnten sagen, Tränen sind ein Fakt des Lebens, Geliebte. Auf jeden Fall sind sie keine schlechten Kerle da draußen, die euch fangen wollen. Ihr Ansinnen ist es, euch zu trösten. Sie meinen es freundlich mit euch. Sie meinen es so, euer Freund, euer Ratgeber, euer Sicherheitsventil zu sein. Seid im Gegenzug freundlich zu ihnen. Sie mögen nicht die Gäste gewesen sein, die ihr gerne haben wolltet. Sie sind womöglich gänzlich uneingeladen. Nichtsdestotrotz, ihr seid ihnen gegenüber zuvorkommend. Und sofern sie einen oder zwei Tage lang bleiben mögen - ihr gebt ihnen Unterkunft. Tränen sind keine Marodeure, Geliebte, ebenso wenig Trittbrettfahrer. Tränen wissen, wann zu kommen ist, und sie wissen, wann es zu gehen gilt. Du hast mit ihnen nicht befrachtet zu sein, und du hast ihnen nicht zu entsagen. Sie sind schier Tränen.